Werkinfo: Stefan Heucke, Pater noster – Unser Vater

Der Komponist Stefan Heucke wurde 1959 in Gaildorf (Baden-Würtemberg) geboren und lebt seit 1996 in Bochum. Zwei Konstanten ziehen sich durch sein ganzes Werk, das sinfonische wie Kammermusik und auch Opern umfasst: Die Beschäftigung mit der menschlichen Stimme, sei es als Solostimme oder im Chor, sowie die Auseinander-setzung mit lyrischen wie geistlichen Texten.

In Pater noster – Unser Vater,  ein etwa zwanzigminütiges kantatenartiges Werk für Soli, Chor und Orchester, vertont Heucke das Vater unser, wobei der Chor als Träger des Allgemeingültigen  den lateinischen Text singt und die Solostimmen als „Individualisten“ die neue, deutsche Übertragung von Prof. Dr. Norbert Lammert interpretieren. Nach einer orchestralen Einleitung trägt der Chor den lateinischen Text vor. In der folgenden ersten Variation antworten die Solisten mit dem deutschen. Die zweite Variation, für Heucke das „Herzstück des Werkes“, stellt beide Texte gegenüber, Chor und Solisten wechseln sich mit ihren Einsätzen ab, bis sich nach einer groß angelegten Chorfuge schließlich, so Heucke, „Soli und Chor zu einem hymnischen 'Amen' vereinigen“. 

Warum ihn gerade das Vater unser angesprochen hat? Stefan Heucke: „Ein Vater unserist etwas absolut Allgemeingültiges und Überkonfessionelles. Unabhängig zu welcher Konfession man gehört, besitzt das Vater unser unbedingte Gültigkeit, selbst als Jude oder Moslem könnte man sich damit identifizieren, denn es enthält gar nichts dezidiert christliches!“

Stefan Heucke schrieb Pater noster - Unser Vater im Auftrag der Bochumer Symphoniker anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Philharmonischen Chores Bochum. Die Uraufführung fand unter der Leitung von Harry Curtis am 12.11.2010 in der Christuskirche in Bochum statt.

Andreas Meyer