Werkinfo: Thomas Morley u. a., English Madrigals

Bei einem Madrigal handelt es sich um vertonte und vorwiegend a cappella vorgetragene Lyrik mit weltlichem Inhalt. Erstmals nachweislich erwähnt wird diese Gattung 1313 in Italien; frei übersetzt bedeutet "Madrigal" "Gesang in der Muttersprache". Als Vorläufer gelten die Schäferlieder der provencalischen Troubadoure des Mittelalters, die jedoch nur einstimmig gehalten waren. Die Madrigale allerdings, und das ist eins ihrer wichtigsten Charaktereigenschaften, sind mehrstimmig verfasst. Neben den frühen Madrigalen des 14. Jahrhunderts erlebte diese Liedform im 16. und 17. Jahrhundert eine zweite Blüte und erreichte zu dieser Zeit über Frankreich und Deutschland auch England.

Das kam nicht von ungefähr. Denn unter Elizabeth I. (1558-1603) stieg England zur Großmacht auf und erlebte eine bisher unbekannte kulturelle Blüte. In der Literatur überstrahlt ein Name alle anderen: William Shakespeare. Neben seinen Dramen schrieb der Dichter einen Zyklus von Sonnetten, in dem er die in Italien unter Petrarca zur ersten Hochform gebrachte Lyrikgattung sowohl in der Form als auch sprachlich weiterentwickelte. Ähnlich gingen seine Kollegen in der Musik vor. Sie formten aus den überlieferten Gesängen eigenständige Werke und Traditionen. Die englischen Madrigale verarbeiten Heiteres wie Ernstes, und präsentieren sich in ihren unterschiedlichen Stimmungen äußerst facettenreich. Ihr Ton schwankt zwischen lyrisch, pastoral tänzerisch oder aphoristisch pointiert.

Die Madrigale, die zum Repertoire des Philharmonischen Chores Bochum gehören, erschienen in England zwischen 1588 und 1613. Drei von ihnen komponierte Thomas Morley (1557-1602), einem der wichtigsten Musiker seiner Zeit. Morley bezeichnete das Madrigal als die "entzückendste und wertvollste Kunstform" und veröffentliche 1594 mit "Madrigalls to fovre voyces" eine erste derartige Sammlung. Ihr entstammt auch das Lied "April is in my mistress’ face". 

Andreas Meyer